Eine Herausforderung an uns Erwachsene
Natürlich sind Kinder in einer Gemeinde wichtig! Das würde so ziemlich jeder unterschreiben. Mit diesem Artikel möchte ich uns bewusst herausfordern, unsere tatsächlichen Prioritäten zu hinterfragen – und ich versuche darzustellen, warum dies wichtig ist. Denn Jesus selbst gibt uns den Anstoß dazu.
Kinderbetreuung oder Kindergottesdienst? Sollen die Kinder sonntags irgendwie „aufgeräumt“ sein, dass wir Erwachsenen ungestört Gottesdienst feiern können, oder gilt das Programm für die Kinder als mindestens gleichwertig zu dem der Erwachsenen? Manchmal zeigt sich das schon im Namen, den man dem sonntäglichen Kinderprogramm gibt.
In unseren Gottesdiensten gibt es oft einen gemeinsamen Start mit „Jung“ und „Alt“, dabei wird den Kindern ein Kinderlied zugestanden, als Zeichen, dass sie den Raum anschließend verlassen dürfen und auch sollen. Bis dahin gilt es für die Kinder, tapfer durchzuhalten. Auch wenn es für alle am Gottesdienst Beteiligten eine Herausforderung ist: Wie können wir diesen Start so gestalten, dass alle Generationen – auch die Kinder – zumindest diesen einen Teil des Gottesdienstes zusammen erleben können? Dass auch die Kinder in diesem ersten Drittel angesprochen werden und nicht nur die Aufgabe haben, ihre Füße still zu halten bis sie rausgehen. Diese Erfahrung des ersten Drittels prägt ihre Sichtweise auf den Gottesdienst, ob dieser eine Pflichtveranstaltung ist, die es abzusitzen gilt, oder ob es etwas ist, auf das sie sich freuen. Mit Auswirkungen darauf, ob sie später im Teenageralter sonntags gerne mitkommen oder ob es im Ziehen und Zerren der Eltern endet.
Ja, ich weiß, Kinder stören auch mal, sie rutschen auf ihrem Platz hin und her, können nicht immer ruhig sein und lenken dadurch ab. Diese Gedanken hatten sicher auch die Jünger im Hinterkopf, als sie eine Gruppe Kinder von Jesus fernhalten wollen, um ihn und die anwesenden Erwachsenen nicht zu stören. Jesus reagiert in Lukas 18,16 allerdings anders als sie erwarten und stellt sogar ihre Prioritätenliste auf den Kopf:
„Lasst doch die Kinder zu mir kommen und hindert sie nicht daran! Gottes Reich ist ja gerade für solche wie sie bestimmt.“
Würde Jesus also im Zweifel nicht eher die Erwachsenen in ihre Betreuung schicken, um mit den Kindern in Ruhe Gottesdienst feiern zu können? Was für ein seltsamer Gedanke! Aber Hand aufs Herz: Haben wir in unseren Gemeinden nicht oft das gleiche Motto, wie die Jünger, dass Erwachsene Vorrang genießen? Wenige würden behaupten, dass die Arbeit mit Kindern nicht wichtig sei. Wirft man allerdings einen Blick auf die Homepages von Gemeinden, dann entdeckt man top gepflegte Terminkalender, was die Angebote für Erwachsene angeht und magere, seit Monaten oder Jahren nicht mehr aktualisierte Seiten der Angebote für die Kinder.
Wird nicht bei einer Gemeindefreizeit das Erwachsenenprogramm weit im Voraus geplant, Themen festgelegt und Referenten dafür frühzeitig angefragt, um dann wenige Wochen vor Beginn festzustellen, dass man noch das Programm für die Kinder organisieren sollte? Nicht selten erreichen uns sehr kurzfristige Anfragen, ob wir vom kids-team noch Zeit hätten, etwas für die Kinder anzubieten.
Kinder können sich nicht hinstellen und für sich werben. Sie fordern nicht das ein, was sie brauchen, wie wir Erwachsene es tun. Sie bleiben dann eben irgendwann weg – spätestens im Teenie- und Jugendalter. Deshalb brauchen sie erwachsene Fürsprecher, die für sie kämpfen und in Erinnerung rufen, dass der himmlische Vater sie uns anvertraut hat! Nicht zur Verwahrung, sondern dass wir uns um ihre Entwicklung zu Jesus hin kümmern. Nicht als nachgelagerte Priorität, sondern als eine Hauptaufgabe der Gemeinde.
Kinder sind die Zukunft der Gemeinde?
Sie sind die Gegenwart der Gemeinde!
Das macht Lukas 18 deutlich. Wenn Kinder ihren Platz in der Gemeinde bekommen, der ihnen von Jesus her zusteht und den sie brauchen, um ihm auf ihre Weise nahe zu sein, dann müssen wir Erwachsene zu Abstrichen bereit sein. Auch für uns gilt dann die Aufforderung von Jesus, sie nicht daran zu hindern. Auch wenn wir dabei mal „ein Ohr zudrücken müssen“, wenn sich ein Kind während des Gottesdienstes hörbar artikuliert.
Jesus geht sogar noch einen Schritt weiter. Er stellt in Lukas 18, 17 Kinder als Vorbild dar, wie man zu ihm findet.
„Ich versichere euch: Wer nicht wie ein Kind glaubt, wird nicht ins Reich Gottes kommen.“
Und tatsächlich fällt es Kindern leichter, Jesus anzunehmen und ihm zu vertrauen. Um das zu unterstreichen, reicht ein kleiner Test aus. Lassen wir mal beim kommenden Gottesdienst diejenigen aufstehen, die sich als Kind für Jesus entschieden haben, vor allem bei Kinderwochen und Zeltlagern. Die meisten werden sich erheben. Und es könnten derer mehr sein, denken wir an diejenigen, die im Kindesalter abgesprungen sind, weil ihnen Gemeinde zu erwachsen war.
Das zeigt, wie essenziell wichtig die Arbeit mit Kindern in der Gemeinde ist, angefangen vom Kindergottesdienst über Gruppenstunden bis hin zu besonderen Veranstaltungen wie Kinderwochen.
Lasst uns aber auch bewusst Formate entwickeln, bei denen Kinder und Erwachsene zusammen Gottes Liebe erleben und feiern können. Meiner Erfahrung nach sind es besondere Momente, die in einer fröhlichen Atmosphäre stattfinden und auch gemeindefremden Menschen den Zugang erleichtern.
Alexander Neuherz
kids-team Breisgau
